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Crataegus, der Weißdorn – Arzneipflanze des Jahres 2019

Im Frühjahr wecken die frischgrünen Blattaustriebe des Weißdorn unsere Aufmerksamkeit. Im Mai begegnen uns an Wegrändern und Hecken seine üppigen weißen Blütenschleier und im Herbst und Winter fallen uns die glänzenden roten Früchte auf, die gerne von Vögeln verzehrt werden.  Wir finden den Strauch, ein Rosengewächs, am Waldrand, im Gebüsch, in Hecken, im lichten Laub- und Nadelwald, aber auch um Hof und Scheune. Als Strauch kann er bis zu 6 m und als Baum bis zu 12 m hoch werden und ein Alter von 500 Jahren erreichen. Er gilt als eine der ältesten Heckenpflanzen und trägt viele verschiedene Namen, unter anderem auch „Hagedorn“. Hahnemann nannte ihn Weisshagedorn. Aus dem Namen lässt sich sein Verwendungszweck ablesen, „Hages“ ist ein mittelhochdeutsches Wort für Dorngebüsch, Umfriedung. Hecken aus Weißdorn bieten Wind- und Sichtschutz und sind wegen ihrer spitzigen Dornen nahezu undurchdringlich. Der Weißdorn verfügt über eine reichhaltige Insektenfauna, bietet Vögeln ein ideales Nistgehölz, da seine zahlreichen Dornen auch vor Elstern und Katzen schützen.

Der Weißdorn kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, bereits 50 n.Chr. wurden aus seinen Zweigen wegen des harten Holzes Spazierstöcke hergestellt. Um den Sommer zu begrüßen, schmückten bereits im 18. Jahrhundert am 1. Mai Menschen ihre Häuser und Kirchen mit blühenden Weißdornzweigen. Erste Hinweise auf die Heilwirkung findet man bei Quercetanus, der König Heinrich IV. von Frankreich mit Crataegus gegen Altersbeschwerden behandelte. Blätter und Blüten werden schon seit langem in der Medizin eingesetzt. Weißdornblüten eignen sich hervorragend zum Räuchern, um Stauungen zum Fließen zu bringen.

Crataegus gilt in der Homöopathie als ein klassisches Kräftigungsmittel. Die herzförmige Gestalt der Blätter und die herzfarbenen Früchte geben erste Hinweise auf seine Heilwirkung.  Die Urtinktur wird aus der reifen Frucht und manchmal auch aus den Blüten hergestellt. Bei Crataegus überwiegt der starke Organbezug zum Herzen. Laut Mezger, einem Homöopathen der Nachkriegszeit, ist Crataegus besonders zur Dauerbehandlung von chronischer Herzschwäche geeignet. Bei Herzinsuffizienz, Altersherz, Bluthochdruck, niedrigem Blutdruck, Herzmuskelschäden, zur Auflösung kalkartiger Ablagerungen in den Arterien, Herzklopfen und Extrasystolen kann Crataegus zum Einsatz kommen. Neben Crataegus gibt es eine Vielzahl an weiteren homöopathischen Arzneimitteln, die je nach Symptomen, für die Behandlung von Herzerkrankungen ausgewählt werden.

Dr. Gisela Bolbecher

© Bild: Karoline Rieß
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