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Gesundheit aus dem Napf!

Egal ob Hund, Katze oder Pferd – jeder Tierbesitzer möchte nur das Beste für seinen tierischen Freund. Der Futtermittelmarkt bietet eine Fülle an unterschiedlichen Produkten, die mit dem Slogan artgerecht, naturnah und hochwertig werben. Aber wer kennt sich da aus? Was ist wirklich gut? Das neue Buch „Ganzheitliche Ernährung für Hund und Katze“ zeigt Wege aus dem Futtermittel-Dschungel auf.

Tierfutter – ein Milliardenmarkt

Für Hundefutter wurden in Deutschland 2019 rund 1,5 Milliarden Euro ausgegeben, anteilig für Trockenfutter 452 Millionen, für Feuchtfutter 487 Millionen und für Snacks sogar 568 Millionen Euro. Eine Steigerung war in allen Segmenten vorhanden. Aber vor allem sind Trockenfutter mit 3,9% und Snacks mit 5,6% für das deutliche Wachstum des Marktes im Vergleich zu den Vorjahren verantwortlich. Eine Entwicklung, die aus tierärztlicher Sicht als nicht gesundheitsförderlich erscheint.

Katzenfutter übertrifft im Jahr 2019 mit fast 1,6 Milliarden Euro für die fast 15 Millionen Katzen in Deutschland deutlich den Markt für Hundefutter. Hier verzeichnen ebenfalls Snacks (245 Millionen Euro) und Nassfutter (rund 1 Milliarde Euro) Zuwächse. Der Anteil an Trockenfutter liegt mit knapp 300 Millionen Euro auf stabilem Niveau. Auffällig ist auch der Trend zu kleinen Verpackungsgrößen, durch die mehr Gewinne eingefahren werden, aber auch entsprechend mehr Verpackungsmüll entsteht. (Quelle: Industrieverband Heimtierbedarf e.V.). Nassfutter unterstützt in meinen Augen die Gesundheit von Katzen eher als die beiden anderen Bereiche. Und wenn wir die Katze selbst fragen – sie würde lieber Mäuse kaufen!

Kräuter im Tierfutter – Fluch oder Segen?

Gerade beim Hundefutter ist es modern, dieses mit einer Vielzahl an Kräutern anzureichern. Das suggeriert Natürlichkeit und Gesundheit. Fast alle Wildtiere fressen Pflanzen, um sich vor Krankheiten zu schützen oder um sich bei Störungen selbst zu therapieren – und das gilt grundsätzlich auch für Haustiere. Pflanzliche Bestandteile sind bei Wölfen und Wildhunden regelmäßig Teil der Ernährung. Zum Teil haben sie die durch das Fressen des Mageninhaltes ihrer pflanzenfressenden Beutetiere aufgenommen.

Und wie ist es bei Haushunden? Die haben in der Regel keine freie Nahrungswahl! Viele Hunde lieben es aber Gras zu fressen. Und manche knabbern hin und wieder an bestimmten Pflanzen oder graben Wurzeln aus, immer dann, wenn sie sich selbst therapieren wollen. Sie zeigen dieses Verhalten nur, bis es ihnen besser geht.

Schmackhafte Pflanzenzusätze wie z.B. Gewürze, Kräuter und Teekräuter besitzen als Lebensmittel kaum Nährwert. Sie verfeinern die Nahrung mit Geschmack und Geruch und regen den Appetit an. Dabei sind die Übergänge von Genuss- zu Heilmittel fließend.

Kräuter bzw. Fertigfutter mit Kräutern über einen längeren Zeitraum gegeben kann zu Unverträglichkeiten und unerwünschten Nebenwirkungen führen. Manche Hunde zeigen bei länger dauernder Kräuterfütterung Symptome wie z.B. Juckreiz am Körper, Pfotenschlecken, Otitis oder andere Symptome. Diese Symptome verschwinden, sobald ein anderes Futter gewählt wird.

Augen auf beim Futterkauf!

Tierbesitzer haben die Qual der Wahl. Der Markt für Futtermittel ist fast unüberschaubar und Futtermittel mit Kräuterzusätzen sind fast schon die Normalität. Selbst Futter für Allergiker, sogenanntes hypoallergenes Futter, ist oft angereichert mit Kräuterzusätzen. In der Liste der Top 5 hypoallergenen Futtermittel sind bei 4 von 5 Futtermitteln Kräuterzusätze vorhanden. Kräuter weisen Kreuzallergien mit den verschiedensten Pollen und Nahrungsmittelbestandteilen auf.

Und – ganz wichtig bei ganzheitlichen Therapieansätzen – Futter mit Kräuterzusätzen kann eine homöopathische Behandlung stören. Und auch aus Sicht der TCM sollten Kräuter gezielt eingesetzt werden.

 

Was tun?

  • Lesen Sie die Deklaration der Futtermittel!
    Die verwendeten Pflanzenzusätze werden in der Regel bei den Inhaltsstoffen aufgeführt. Füttern Sie Kräuter und Gewürze nur längerfristig, wenn ein fachkundiger Tierarzt zu Rate gezogen wurde.
  • Vorsicht bei Katzen mit täglicher oder mehrmals täglicher Pflanzenkost. Diese kann zu schweren Leber- und Nierenschäden führen.
  • Stellen Sie die Ration für Hunde und Katzen selbst zusammen! Dazu sind ausgewogene Rezepte sinnvoll. Eine Ernährungsberatung bei spezialisierten Tierarztpraxen hilft, passende Rationen für Hunde und Katzen zu erstellen.
Buch_Ernährung

In dem Buch „Ganzheitliche Ernährung für Hund und Katze“ stellen Experten Rezepte für eine ausgewogene und natürliche Ernährung für Hunde und Katzen vor. Jedes Tier, ob gesund oder krank, hat seine eigenen Bedürfnisse. Diese hängen u.a. auch von den verschiedenen Typen, dem Alter und Gewichtsklassen ab. Das Buch gibt konkrete Anleitungen für selbst zubereitete Rationen. Hier erfahren Sie mehr über die ganzheitliche Betrachtung von Lebensmitteln. Die ganzheitliche Qualitätsbetrachtung von Nahrungsmitteln schließt auch die Anbauweise, die Herkunft sowie Haltung, Fütterung und Schlachtung von Nutztieren mit ein. Die Rezepte in diesem Buch sind von den Inhaltsstoffen her ausgewogen und können direkt für die tägliche Ernährung übernommen werden.

Dr. Gisela Bolbecher, Tierärztin

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