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Tierärzte für Homöopathie

Die Geschichte

Hahnemann (1755-1843) vertritt in einem kleinen 12-seitigen handgeschriebenen Redemanuskript über die homöopathische Heilkunde bei Haustieren den Standpunkt, dass diese ebenso sicher wie Menschen mit Homöopathie zu heilen sind.

Anfänge der Homöopathie

Bereits 1815 wird von Donauer die Homöopathie in der Thierheilkunde erwähnt. 1981 wird das Redemanuskript „Die homöopathische Heilkunde der Tiere“, im Besitz der Universitätsbibliothek in Leipzig, erstmals vollständig veröffentlicht. Darin fordert Hahnemann: „… die Tierheilkunde im allgemeinen auf sehr ähnliche Weise wie die Menschenheilkunde zu behandeln, und dass jener dasselbe Ideal zu Grunde gelegt werden müsse als letzterer, nämlich erstens: genaue Bemerkung des jedesmal gegenwärtigen Krankheitsfalles des leidenden Tieres, zweitens: sorgfältige Erforschung der reinen Wirkung der bekannten Arzneimittel auf die verschiedenen Arten gesunder Haustiere, um die Kenntnis zu erlangen welche krankhaften Veränderungen jedes Arzneimittel in dem Befinden der gesunden Tiere erregt, damit aus diesem nach seinen positiven, reinen Effekten gekanntem Vorrathe bei jedem vorliegendem Falle eines erkrankten Thieres ein Arzneimittel ausgesucht werden könnte, welches ein ähnliches Leiden im gesunden Zustande zu erzeugen fähig, im gegenwärtigen Krankheitsfälle das sicherste, schnellste und hilfreichste homöopathische Heilmittel werde …“ (Kaiser, D. Wiederentdeckt: ein grundlegendes Manuskript Hahnemanns. Z klass Hom 1989; 33: 112-120).

1830 postuliert Gustav Wilhelm Groß (1794-1847), der Arzt und Mitbegründer der „Allgemeinen Homöopathischen Zeitung“ ist, dass die Heilung von Tieren mit Homöopathika der beste Beweis ist, dass die Wirkung der Homöopathie nicht auf Suggestion beruhen kann. Diese Meinung vertritt auch Clemens von Bönninghausen (1785-1864).

J.J.W. Lux (1773-1849) hat in der homöopathischen Zeitschrift für Tierheilkunde homöopathische Kuren für Tiere beschrieben und an der philosophischen Fakultät ab 1814 Vorlesungen zur Tierheilkunde gelesen. Er gilt als Begründer der „Isopathik der Contagionen“ (Leipzig 1833), die damals viele Diskussionen unter den Homöopathen auslöste. Hahnemann hat sich in der 5. Auflage des Organons gegen die Isopathie, wie Lux sie beschrieben hat, ausgesprochen.

Erste Arzneimittelprüfungen an Tieren

Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es zahlreiche homöopathisch arbeitende Tierärzte und Veröffentlichungen über Arzneimittellehren, Krankengeschichten bis hin zur kritischen Auseinandersetzung mit der Homöopathie. 1837 erscheint eine homöopathische Arzneimittellehre für Tierärzte, in der Johann Carl Ludwig Genzke (1801-1879) 67 Arzneimittelprüfungen vorwiegend an Hunden, Pferden und Rindern beschreibt.

1837 erscheint das Werk „Der homöopathische Tierarzt, Teil 1-3“, in dem Krankheiten der Nutz- und Haustiere und ihre homöopathische Behandlung beschrieben werden. Autor ist August Günther, der nach seinem Theologie- und Philosophiestudium als anerkannter homöopathischer Tierheilkundiger arbeitet.
Carl Ludwig Böhm (1814-1879), ehemals Lehrer für Tierheilkunde am landwirtschaftlichen Institut Hohenheim, veröffentlicht als Gestütstierarzt in Ungarn mehrere Bücher und über 33 Abhandlungen über die homöopathische Behandlung von Pferden, Schafen und anderen Haustieren.

Um 1900 verliert sich das Interesse an der Homöopathie auch bei Tieren, da u.a. Rudolf  Virchows Zellularpathologie das mechanistische Weltbild in der Medizin vorantreibt. August Bier, Leiter der Berliner Chirurgischen Universitätsklinik, regt mit seinen Äußerungen in der Veröffentlichung „Wie sollen wir uns zur Homöopathie stellen“ die Auseinandersetzung mit dieser Therapie wieder an.

Unter der Zeit der Nationalsozialisten wird auch die Homöopathie für ihre Ziele vereinnahmt. Rudolf Heß übernimmt nicht nur die Schirmherrschaft des Internationalen Homöopathischen Kongresses, sondern schafft ein Modellobjekt, eine ärztliche Forschungsanstalt, in der die Zusammenarbeit von Allopathie und Naturheilkunde gefördert werden soll. Die Nationalsozialisten fördern auch die Homöopathie in der Tiermedizin und die Reichstierärztekammern veranstalten homöopathische Fortbildungskurse. 1936 wird von einer Gruppe homöopathisch arbeitender Tierärzte die „Studiengemeinschaft für tierärztliche Homöopathie“ gegründet. Der Studiengemeinschaft gehörten u.a. die Professoren Abelein, Gluschke, Götze, Reinhardt und Völker an.

1938 publiziert Franz Schömmer „Einführung in die Homöopathie“.

Homöopathie kontra Antibiotika

1950 warnt Hans Wolter (1910-1997) vor dem zu schnellen Einsatz der Antibiotika, sie würden die körpereigenen Abwehrkräfte blockieren und der Körper könne sich nicht mehr mit den Erregern auseinandersetzen. Eine homöopathische Heilung sei nur bei echtem Krankheitsablauf möglich. 1954 veröffentlicht er das Lehrbuch „Klinische Homöopathie in der Veterinärmedizin“. 1956 wird durch Wolter die homöopathisch-biologische Arbeitsgemeinschaft für Tierärzte gegründet, u.a. weil die Tiere in steigendem Maße Belastungen aus der Umwelt ausgesetzt sind. Abgelöst wird diese Arbeitsgemeinschaft in der Akademie für Tierärztliche Fortbildung durch die Fachgruppe „Naturheilverfahren/Regulationsmedizin“.

Seit 1979 werden von Hans Wolter regelmäßig Kurse zu „Homöopathie für Tierärzte“ durchgeführt, deren Referate in den von Wolter herausgegebenen Bänden „Homöopathie für Tierärzte, Band 1-7“ veröffentlicht werden.

Homöopathie in der GGTM

1984 findet in Unna die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Biologische Veterinärmedizin statt, die 1992 dann in Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin (GGTM) umbenannt wird. Von Anfang an wird bei Fortbildungen und im Fachorgan (ZGTM) der homöopathischen Behandlung ein hoher Stellenwert eingeräumt.

1986 wird die „International Association for Veterinary Homeopathy (IAVH) von Tierärzten aus mehreren europäischen und außereuropäischen Ländern gegründet.

1992 droht der Veterinärhomöopathie für Nutztiere in Europa das Aus. Dank der Anstrengungen der IAVH, die zusammen mit der Hufelandgesellschaft und anderen Verbänden politischen Druck ausgeübt haben, konnte die Veterinärhomöopathie für Nutztiere erhalten bleiben.

2018 ist die homöopathische Behandlung von Tieren wieder bedroht, da sie in der Überarbeitung des Arzneimittelgesetzes in der EU nicht vorgesehen war. Durch gemeinsame Anstrengungen von homöopathisch arbeitenden Tierärzten in verschiedenen Ländern der EU ist es gelungen, die homöopathische Behandlung von Tieren auf nationaler Ebene zu sichern.

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